Naturschutz geht anders!

In Oberstdorf hat es wieder unangemessene Pflegemaßnahmen durch die Kommunalen Dienste Oberstdorf (KDO) gegeben. Derartige Vorfälle werden seit ca. 10 Jahren von den Grünen Vertretern im Gemeinderat immer wieder moniert.

Im Januar wurden grosse und wertvolle Bäume bei Loretto gefällt und ein Kahlschlag von Hecken in der Grünen Gasse verursacht. Wir berichteten darüber.

Nun wurde das Moorweiherufer mit seiner ökologisch hochwertigen Hochstaudenvegetation entlang des dortigen Wanderweges auf einer Länge von rund 200 Metern mit einem Mulchgerät  zerstört. Der Umweltreferent und Gemeinderat Sigi Rohrmoser (Fraktion der Grünen) hat nach diesem Vorfall einen  Brief an Bürgermeister King geschrieben (siehe auch den Artikel in der Allgäuer Zeitung).

Bereits im September 2020 hatte der Gemeinderat Michael Finger (Fraktion der Grünen) den Antrag eingebracht, dass die Gemeinde Oberstdorf einen Mitarbeiter des Bauhofes zum „Geprüften Natur- und Landschaftspfleger“ ausbilden soll.

Die Historie an Vorfällen zeigt, dass in der KDO bzw. zu den anderen Verwaltungseinheiten immer wieder Kommunikationsprobleme auftreten. Der Vorwurf geht dabei nicht an die Bediensteten selbst, sondern an das fehlende Pflegekonzept der Gemeinde Oberstdorf. Durch entsprechende Schulung und Bildung der Mitarbeiter hätten sich derartige Vorfälle erst gar nicht ergeben.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Themen, die ebenfalls für Verärgerung in der Bevölkerung sorgen:

  • Die Randstreifen an den Wander- und Radwegen werden seit einigen Jahren oft mehrmals im Jahr und an verschiedenen Wegen zu breit gemäht. Abgesehen davon, dass das nicht schön aussieht, ist das ein Bärendienst am Artenschutz. Viele Pflanzen, die für Insekten wichtig sind, werden so unnötigerweise beseitigt. In Zeiten des weltweiten Artensterbens haben solche Maßnahmen zu unterbleiben.
  • Die Wander- und Radwege werden ständig breiter. Gutes Beispiel ist der Wander/Radweg von der Dummelsmoosbrücke zur Rubinger Brücke durch den Rubinger Wald. Früher ein lauschiger Waldpfad, mittlerweile eine Art Autobahn. Klar, mehr Radfahren braucht mehr Platz, aber da reichen 3 m Breite aus. Teilweise werden 5 m und mehr erreicht. Hier wäre ein Rückbau durchaus sinnvoll.
  • Einmal wöchentlich fährt die City Cat, eine riesige Kehrmaschine, durch die Straßen von Oberstdorf, macht höllisch Lärm und kehrt Straßen, wo definitiv kein Bedarf besteht. Wie früher sollte es ausreichen, die Straßen bei wirklichem Bedarf z.B. nach dem Winter und während des Herbstes zu kehren. Offensichtlich ist der Kraftstoff zu billig, dass so ein Verfahren möglich ist.

Der Randbereich auf dem Rad-/Wanderweg im Rubinger Wald. Warum so breit?

Hier noch ein Beispiel für wenig sensible Wegrandbearbeitung. Aufgenommen am Weg, der die 6-er Abfahrt am Höllwies kreuzt. Zwei Spaziergänger stehen fassungslos davor.

Bei all diesen Themen sollte in Zeiten des Klima- und Artenschutzes von der Gemeinde ein anderes Bewußtsein entwickelt werden. Nicht nur Großprojekte helfen die Probleme im Bereich Klimaschutz und Artenschutz anzugehen, wichtig ist auch alle anderen Themen in unserer Gemeinde auf den Prüfstein zu stellen. Ein ‚Weiter so‘ darf es  nicht geben. Bürger und politisch Verantwortliche müssen aufmerksam sein und entsprechend handeln.

Wer eigene Beobachtungen zu diesen Themen oder anderen ähnlich gelagerten Themen  gemacht hat, bitte über unsere Webseite melden (info@gruene-oberstdorf.de).

Positiv ist, dass Gespräche der dritten Bürgermeisterin und Gemeinderätin Bergith Hornbacher-Burgstaller (Fraktion der Grünen) mit der Verwaltung, Bürgermeister King und Tourismusdirektor Frank Jost ergeben haben, dass eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die ein Pflegekonzept für die Wege erarbeiten soll. Mittlerweile fand eine erste Begehung mit konstruktiven Gesprächen am 21.7. vor Ort am Moorweiher statt. Der erste Schritt zu einem Pflegekonzept wurde beschlossen. Weitere Treffen sollen stattfinden. Diese Entwicklung finden wir sehr erfreulich!

Hier die Bekanntgabe der Kurbetriebe Oberstdorf in der Sitzung des Marktgemeinderates am 20.07.2021:

Das Mähen von Seitenstreifen entlang von Wanderwegen ist Bestandteil des Leistungskataloges, den die Kommunalen Dienste Oberstdorf für die Kurbetriebe Oberstdorf ausführen. Für den Moorbadweg im Bereich des westseitigen Moorweiherufers ist das Ausmähen einmal jährlich vorgesehen. Es war weder den Mitarbeitern der kommunalen Dienste noch den beauftragten Kurbetrieben bekannt, dass aktuell am Grünstreifen des westseitigen Moorweiherufers schützenswerte, spätblühende Pflanzen eingesetzt wurden.

Bei einem Gespräch zwischen Marktgemeinderätin Bergith Hornbacher-Burgstaller und Moritz Zobel am 13.07.2021 wurde vereinbart, künftig den direkten Informationsaustausch zu zwischen Naturschutz, technischer Abteilung Wegeunterhalt und den Kurbetrieben als Auftraggeber zu verbessern. In einer Arbeitsgruppe sollen die grundlegenden Aspekte sachlich mit Fokus auf Naturschutz, Verkehrssicherheit, und Wirtschaftlichkeit abgestimmt und für definierte Flächen (zunächst am Moorweiher, auf dem Edmund-Probst-Weg, dem Walraffweg, dem Dr. Hohenadelweg und im Karweidach) ein Naturpflegeplan Wanderwege erstellt werden, mithilfe dessen in den kommenden Jahren ein besonderes Augenmerk auf die Flora & Fauna entlang der Wanderwege gelegt werden soll.  Darüber hinaus erhalten die Mitarbeiter des Wegetrupps eine Schulung, um künftig noch sensibler mit unserer schützenswerten Flora & Fauna umgehen zu können.

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.